Dein Ring meldet 34 von 100, deine Uhr sagt, du bist erholt. Beide haben denselben Körper in derselben Nacht gemessen. Welche Zahl stimmt, kann dir niemand sagen, denn kein Hersteller legt offen, wie er rechnet.

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Gibt es einen Readiness Score? Ja, und zwar gleich 14
Auf einen Blick
Vierzehn Readiness- und Recovery-Scores von zehn Herstellern greifen auf dieselben vier Signale zu, aber keiner legt offen, wie er sie gewichtet. Uneinheitlich sind schon die Zutaten: Was der eine Hersteller Ruhepuls nennt, misst der andere anders. Nachts und im Liegen messen die Geräte gut, und die Unterschiede zwischen ihnen kommen nicht von der Bauform, sondern von der Verarbeitung. Für dich heißt das: Behandle die Zahl als Hinweis, nicht als Messwert. Verfolgen kannst du HRV und Ruhepuls im Rohwert.
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Zehn Hersteller verkaufen vierzehn verschiedene Antworten auf dieselbe Frage. Eine Übersichtsarbeit in Translational Exercise Biomedicine hat 2025 katalogisiert, was am Markt ist: Fitbit Daily Readiness, Garmin Body Battery und Training Readiness, Oura Readiness und Resilience, WHOOP Strain, Recovery und Stress Monitor, Polar Nightly Recharge, Samsung Energy Score, Suunto Body Resources, Ultrahuman Dynamic Recovery, Coros Daily Stress, Withings Health Improvement Score.
Die Zutaten sind dabei erstaunlich einheitlich: Herzratenvariabilität steckt in 86 Prozent dieser Scores, Ruhepuls in 79, Aktivität und Schlafdauer in je 71 Prozent.
Auseinander gehen sie dort, wo du es nicht siehst. Kein Hersteller legt offen, wie stark er welches Signal gewichtet, über welches Fenster er rechnet und nach welcher Regel daraus eine Zahl wird. Nur wenige liefern überhaupt begutachtete Belege für Genauigkeit oder klinische Relevanz. Mitautor der Arbeit ist Marco Altini, der hinter HRV4Training steht, das ist also keine Kritik von außen.
Die Zutaten stehen auf der Packung, das Rezept nicht. Deshalb widersprechen sich Ring und Uhr am selben Morgen, und deshalb kann dir niemand sagen, warum deine Zahl heute 34 ist. Wie weit Umsetzungen desselben Konzepts auseinanderliegen, zeigt auch eine Studie über 206 HRV-Apps.
Schon die Zutaten sind nicht dieselben
Selbst der Ruhepuls ist nicht überall derselbe Ruhepuls. Eine Validierung von fünf Wearables musste den Garmin Fenix 6 aus der Ruhepuls-Auswertung ausschließen, weil das Gerät ihn als niedrigsten 30-Minuten-Schnitt eines ganzen Tages definiert. Das ist eine andere Größe als das, was die übrigen Geräte melden.
Dasselbe Bild bei der Messtechnik. Der Oura-Ring der dritten Generation tastet mit 250 Hertz ab. Garmin nennt seine Abtastrate nicht, sondern schreibt, sie hänge vom Aktivitätsniveau ab.
Auch der Schlaf ist eher Schätzung als Messung. Dass du schläfst, erkennen die Geräte gut, Wachliegen dagegen schlecht: Die Trefferquote für Wachphasen lag in einer Übersichtsarbeit zwischen 41 und 60 Prozent. Eine Meta-Analyse über 24 Studien fand messbare Abweichungen zur Schlaflabor-Messung bei Schlafdauer, Schlafeffizienz, Einschlafzeit und nächtlichen Wachphasen.
Nur 17 Prozent der Geräte mit optischem Sensor legen offen, wie sie Schlafphasen bestimmen. Und Schlafdauer steckt in 71 Prozent der Scores. Eine der vier Zutaten ist damit selbst schon eine Schätzung, deren Zustandekommen niemand nachlesen kann.
Nachts und im Liegen sind die Geräte gut
Wo die Geräte gut sind, sind sie richtig gut. Eine vom Air Force Research Laboratory finanzierte Validierung verglich 2025 fünf Wearables über 536 Nächte gegen ein EKG. Beim Ruhepuls lagen alle innerhalb dessen, was als klinisch relevante Abweichung gilt, mit mittleren Fehlern unter zwei Schlägen pro Minute.
Bei der Herzratenvariabilität gehen die Geräte auseinander. Die beiden Oura-Ringe und WHOOP lagen vorn und untereinander statistisch gleichauf, Garmin und Polar deutlich dahinter. Der mittlere prozentuale Fehler reichte von knapp 6 Prozent bei Oura bis über 16 Prozent bei Polar.
Naheliegend wäre, das auf die Bauform zu schieben: Ring am Finger, weniger Bewegung, saubereres Signal. Die Daten geben das nicht her. WHOOP wird am Handgelenk getragen wie die beiden Uhren und liegt trotzdem bei den Ringen. Der Bruch verläuft mitten durch die Handgelenk-Gruppe.
Die Autoren haben deshalb gegen die individuelle Physiologie normiert. Der Fehler blieb. Er stamme, so ihr Schluss, aus Signalverarbeitung, Sensorauslegung und Datensegmentierung, nicht aus körperlichen Unterschieden.
Nicht der Sensor entscheidet, sondern was das Gerät danach mit dem Signal macht. Genau das steht in keiner Produktbeschreibung.
Ein Vorbehalt gehört dazu: Gemessen wurde im Liegen, über die ganze Nacht gemittelt, bei dreizehn Personen. Über Tagmessung oder Belastung sagt das nichts.
Es gab schon einen allgemeinen Score
Wenn eine Formel offenliegt, kann sie widerlegt werden. Genau das ist dem einzigen allgemeinen Bereitschafts-Score passiert, den es je gab.
Die Acute:Chronic Workload Ratio stellte akute gegen chronische Belastung und leitete daraus einen Sweet Spot ab, in dem du bleiben solltest. Über Jahre war das Standard im Profisport und in jeder Athletenmanagement-Software.
Dann kam die Methodenkritik. Impellizzeri und Kollegen zeigten 2020, dass der akute Wert im chronischen mit drinsteckt, die beiden verglichenen Größen also mathematisch gekoppelt sind. Der härteste Befund kam von derselben Gruppe: Ersetzt man den chronischen Wert durch einen zufällig erzeugten, bleibt der Zusammenhang mit Verletzungen genauso stark.
Erledigt ist das Thema nicht. Im Juli 2026 erschien eine Arbeit, die Erholungsdauer als neuen Bereitschafts-Marker vorschlägt. Die beworbene Trennschärfe stammt aus einem Datensatz ohne Tagesauflösung und misst eine aus HRV abgeleitete Hilfsgröße, nicht die titelgebende Zeit bis zur Rückkehr zum Ausgangswert.
Ein Score mit geheimer Gewichtung kann diese Korrektur nie erleben. Es gibt nichts, das jemand nachrechnen könnte.

Was du daraus machst
Der Score ist ein Hinweis, kein Messwert. Was du wirklich verfolgen kannst, liegt darunter, und dafür reichen drei Dinge.
Rohwerte ansehen: Nächtliche HRV und Ruhepuls stehen in fast jeder App als Zahl. Vergleiche sie mit deinem eigenen Verlauf, nicht mit einer Norm.
Spannweite lernen: Schreib die Werte ein paar Wochen mit. Dann weißt du, wie stark sie bei dir normalerweise schwanken, und reagierst erst, wenn einer die Bandbreite über mehrere Tage verlässt.
Vier Fragen stellen: Schlaf, Müdigkeit, Stress, Muskelkater, jeweils 1 bis 7. Dreißig Sekunden Aufwand. Hintergrund dazu: RPE, der Marker den keine Uhr misst.
Bleibt die Frage, die sich in der Praxis wirklich stellt: Was machst du, wenn Zahl und Gefühl auseinandergehen?

Der mittlere Fall ist der interessante. Der Review über 56 Studien lief in Untersuchungen, in denen die Selbstauskunft keine Folgen hatte. Bei dir hat sie welche: Wer ambitioniert trainiert, hat ein Motiv, sich gut zu fühlen.
Der Gerätewert ist deshalb nicht genauer als dein Gefühl, aber er will am Sonntag keine Bestzeit. Das macht ihn ausgerechnet dort nützlich, wo du dich selbst überredest. Belegt ist dieser Punkt nicht, das ist unsere Einschätzung.
Beim Ruhepuls wird es konkreter. Eine Abweichung von etwa fünf bis sieben Schlägen oder rund zehn Prozent über deiner Norm gilt in der Literatur als bedeutsam, und ein klar erhöhter Ruhepuls ist erfahrungsgemäß der früheste Hinweis, dass sich etwas anbahnt.
Wer mit Brustgurt trainiert, kann zusätzlich DFA Alpha 1 für die Erholung verfolgen und mit unserem DFA Alpha 1 Rechner selbst nachrechnen. Der Kennwert kommt aus denselben Schlag-zu-Schlag-Abständen wie deine HRV, ist aber offengelegt.
Und wenn du wissen willst, ob deine Ampel überhaupt etwas taugt, führ zwei Wochen parallel Buch: was das Gerät morgens sagt, und wie die Einheit dann gelaufen ist. Gibt die Zahl dir hinterher immer recht, egal wie der Tag war, dann misst sie nicht deine Bereitschaft, sondern beschreibt sie im Nachhinein.
Quellen
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